Hermann Sturm - 27.08.2008

 

Kaplan, Pfarrer, Geistlicher Rat, Monsignore – und jetzt „Pfarrer i.R.“

Vor 50 Jahren feierte Hermann Sturm seine Primiz in der Urberacher Galluskirche

 

Urberach (chz)   Der 27. Juli 2008 - ein großer Tag für einen Urberacher Bürger: Pfarrer in Ruhe Hermann Sturm begeht seine Goldene Priesterweihe. Eine Woche später damals vor 50 Jahren, am 3. August, hatte er damals in der Urberacher Kirche St. Gallus seine Primiz gefeiert. Am 3. August wird er auch sein Jubiläum hier in St. Gallus feiern.

Hermann Sturm, dessen Großvater Valentin mit Maria Malsi aus Messenhausen verheiratet gewesen war, ist am 20. Juni 1933 in Urberach als eines von acht Kindern der Eheleute Nikolaus Sturm und Susanna, geborene Müller, auf die Welt gekommen. In der Robert-Bloch-Straße zu Hause, hat er die Volksschule in Urberach und das Realgymnasium in Dieburg durchlaufen. Im Abiturjahr, als er an Exerzitien des späteren Weihbischofs Reuss teilgenommen hatte, wurde ihm sein Lebenswunsch klar, und er studierte in Mainz und Frankfurt Theologie bis zu seiner Weihe und Sendung am 27. Juli 1958. Nach verschiedenen kurzen Einsätzen wurde Hermann Sturm in der Darmstädter Gemeinde St. Fidelis Kaplan, von wo er 1961 nach Oppenheim wechselte, im Dezember 1964 schließlich als Pfarrer nach Bingen berufen wurde, bis er 1977 Pfarrer in Alzey und Gau Heppenheim wurde. Bis 2006 sollte er Alzey treu bleiben, begleitet von mehreren Berufungen zum Dekan, der Ernennung zum Geistlichen Rat 1984 und schließlich zum Monsignore am 12. August 1999: zum „Kaplan des Papstes“ sozusagen, eine päpstliche Auszeichnung, die der Bischof beim Papst beantragt, die aber keine praktischen Auswirkungen hat. 1997 wurde er zusätzlich auch zum Pfarradministrator für vier Orte ernannt, deren Pfarrer die Gemeinde verlassen hatten. Bis 2006 blieb Hermann Sturm Pfarrer in Alzey, einer katholischen Diasporagemeinde mit rund drei- bis viertausend Gemeindegliedern. Geprägt war diese Zeit unter anderem von einer guten Zusammenarbeit mit der evangelischen Gemeinde, während der eine Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AcK) gegründet, die Notfallseelsorge gemeinsam ausgebaut und eine „Tafel“ für sozial Schwache eingerichtet wurde - besonders bemerkenswert, nachdem er seine Jugend im grundkatholischen Urberach mit rund 3700 Einwohner verbracht hatte: „Ich habe früher überhaupt keinen Evangelischen gekannt!“

Nach seiner Versetzung in den Ruhestand kam er nach Urberach in sein ererbtes Haus im Dohlenweg, gemeinsam mit seiner Haushälterin Annemarie Beier, die er bis zu ihrem Tod im Februar intensiv gepflegt hat.

Mit Ruhe ist es auch sonst nicht weit her: im ersten Halbjahr hat der „Pfarrer i.R.“ allein 15 Sonntags- und 16 Wochentagsgottesdienste gehalten. Wichtig waren ihm immer all jene Aufgaben gewesen, die sein Beruf beinhaltete: Gottesdienste, Kommunionvorbereitungen, Firmunterricht – „das habe ich alles sehr gern gemacht!“ Außerdem führen ihn seine Wege heute noch oft nach Alzey.

Doch ein Pfarrer hat auch Hobbys: Pfarrer Sturm nennt als erstes das Skilaufen. Während seiner Kaplanszeit von einem Freund schmackhaft gemacht, hat er später sogar Skifreizeit mit seiner Jugend in Alzey gemacht; im Sommer ging es dann meist mit 50 oder 60 jungen Menschen ans Meer, nach Spanien, Italien oder Frankreich. Auch Fußball hat der Ruheständler früher aktiv gespielt – als Schüler und Jugendlicher bei der Urberacher Viktoria.

Mit großer Begeisterung erzählt Pfarrer Hermann Sturm von seinen Missionsreisen, die er gemeinsam mit einem befreundeten Missionsreferenten nach Südamerika und mehrmals nach Peru unternommen hat. So hat er auch etwa eine Auslandsadoption begleitet, die ein Alzeyer Ehepaar über ehemals Mainzer Ordensschwestern in Peru erreicht hat. In Sambia und Ghana hat er Gottesdienste im Busch erlebt: „Diese Reisen waren für mich wichtige Erfahrungen, über die ich froh bin, dass sie mir geboten wurden.“

Der Ehrentag am 3. August wird um 16 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Gallus gefeiert werden, wo nicht weniger als 18 Zelebranten dem Monsignore die Ehre geben werden. Ein Chor junger Erwachsener aus Alzey, entstanden aus einer seiner früheren Kinderscholas, wird ihm zur Ehre singen. Im Anschluss wird bei einem kleinen Sektempfang im Gallusheim Möglichkeit sein, mit Grußworten und Darbietungen dem Jubilar zu gratulieren.

Am 17. August wird es den Pfarrer im Ruhestand dann wieder nach Alzey ziehen: von dort wurde er angefragt, ob er sein goldenes Priesterjubiläum nicht auch noch einmal in seiner langjährigen Gemeinde feiern möchte.

Von Bürgermeister Adam Spamer war Hermann Sturm damals am Ortseingang empfangen worden und in einer Prozession mit Pfarrer Johannes Felix Schmidt, dem damaligen Ortsgeistlichen, zur Kirche gezogen. Auf dem Foto im Chorhemd am Vorabend, dem 2. August 1958.

Christine Ziesecke

eingegeben 21.08.2008 ju








eingegeben 24.05.2009 ju

 

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